Heilpädagogik im Lichte eines spirituellen Menschenbildes
In zunehmendem Maße begegnen uns Kinder, die unsere besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung suchen. Bereits im Kleinkindalter, deutlicher noch im Schulalter, werden Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten bemerkt, die immer häufiger als Entwicklungsstörung diagnostiziert werden. Wie kann man diese Kinder besser verstehen, um ihnen wirksam helfen zu können?

Heilpädagogik auf anthroposophischer Grundlage geht davon aus, dass in jedem Menschen ein Wesenskern zu finden ist, der sich in einer einzelnen Biographie jedoch nie ganz verwirklichen kann. Er möchte sich im Laufe der Entwicklung immer mehr entfalten.
Es kann jedoch sein, dass dieser Entwicklungskeim so stark behindert wird, dass heilende Begleitung nötig wird, um ihm zur Erscheinung zu verhelfen.
Die anthroposophische Heilpädagogik hat Wege aufgezeigt, die es möglich machen, diese dem Kinde eigenen Kräfte zu erkennen, zu pflegen und zu stärken. So können der Heilpädagoge und das Kind an Schmerzen reifen und an Widerständen wachsen.
Vor diesem spirituellen Hintergrund fördern Heilpädagogen die Entwicklung in einem ganzheitlichen Sinne. Sie bieten Hilfen zur Erziehung oder beim Lernen; Therapie, Begleitung und Integration. Sie vermitteln individuelle Lebenshilfe.
Ihre diagnostischen Grundlagen liegen in der aufmerksamen Beobachtung des Verhaltens, der Gebärden, der Gestalt, der Sprache, der Gewohnheiten usw. Dabei beziehen sie auch das soziale Umfeld mit ein. Gespräche mit den Eltern, den Betreuern und Ärzten des Kindes sind unerlässlich.
Den therapeutischen Weg bestimmt das Kind letztlich selbst. Das setzt allerdings voraus, dass zwischen dem Therapeuten und dem Kind eine tragfähige Beziehung entsteht.
Das Gefühl, „Herr im eigenen Hause zu sein“, ist die Basis eines gesunden Selbsterlebens und eines klaren Vorstellungsvermögens. Der Pflege der Sinnesfunktionen, dem Bewegungsspiel und der körperlichen Geschicklichkeit kommt deshalb grundlegende Bedeutung zu. Erst auf dieser Grundlage ist differenziertere Gehirnentwicklung zu erwarten.
Häufig anzutreffende Bewegungsdefizite können durch gezielte gymnastische, eurythmische und spielerische Geschicklichkeitsübungen überwunden werden. Musik- und Sprachtherapie, Malen, sowie weitere kunsttherapeutische Richtungen können harmonisierend auf Gefühlsdefizite wirken. Die Wege, einem Kind in seiner Entwicklung zu helfen, sind sehr vielfältig.
Jena als Ursprungsort der Heilpädagogik
Die Ursprünge der Heilpädagogik in Deutschland liegen in Jena.
Johannes Trüper (1855-1921), der Gründer des Heilpädagogischen Heimes
Sophienhöhe, hat einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der modernen Heilpädagogik geleistet. Er gilt als der Erste, der – wie man damals sagte – „geistig behinderte, seelisch gestörte und normale Kinder“ in gewissem Umfang gemeinsam erzog. Dafür entwickelte er spezielle therapeutische Methoden und auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnittene Unterrichtsformen.
In diesem Zusammenhang gründeten
Franz Löffler, Siegfried Pickert und Albrecht Strohschein 1924 das
Heil- und Erziehungsinstitut für seelenpflegebedürftige Kinder Lauenstein e.V., das zum Keim der anthroposophischen Heilpädagogik wurde. Dieser Impuls hat sich inzwischen in über 90 Länder ausgebreitet.
Der Verein Heilpädagogik Jena
Mit dem Verein
Heilpädagogik Jena entschließen wir uns zu einem bewussten Neuanfang in Jena, um an die großen Kräfte anzuschließen, die einstmals vom Lauenstein ausgingen.
Der Verein kann zu einem Gefäß werden, das allen offen steht, die in diesem Sinne tätig sind oder werden möchten. Dabei kann es sich handeln um Heilpädagogik im engeren Sinne, um Heileurythmie, Rhythmische Massage oder andere therapeutische Bereiche.
So könnte eine Gemeinschaft ihre äußere Form finden, wo auf diesem Felde bereits geleistete Arbeit weitergeführt und in die Zukunft getragen wird.
Bestätigt als Konzept des
Heilpädagogik Jena e.V. auf der
Gründungsversammlung in Schillers Gartenhaus am 29. September 2006.
Hinweis:
Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt zunächst in der Erforschung und weiteren Entwicklung der anthropologischen Grundlagen der Heilpädagogik im Lichte eines spirituellen Menschenbildes.
Die heilpädagogische Förderung von Kindern und Jugendlichen wird bis auf weiteres nur in persönlicher Verantwortung der jeweiligen Therapeuten angeboten.